But what about Avoca-tho? ist ein kooperatives Kartenspiel für fast beliebig große Gruppen, mit mindestens zwei Mitspielenden.
Durch das Spielen soll Bewusstsein für die klimatischen Auswirkungen des eigenen Konsumverhaltens geschaffen werden.
Nahezu jedem Menschen, der sich auch nur grundsätzlich mit der Thematik auseinandergesetzt hat, sollte inzwischen bewusst sein, dass im Allgemeinen aus klimatisch-optimaler Sicht eine vegane oder vegetarische Ernährung einer omnivoren vorzuziehen ist – aber genau wie viel mehr Wasser verbrauchen oder wie viel mehr CO2-Äquivalente erzeugen fünfhundert Gramm Schweinefleisch, ein Liter Milch oder 3 Eier im Vergleich zu einem Liter Sojamilch, einer Salatgurke oder drei Kilogramm Kartoffeln?
Quellengrundlage
Aufgrund der unten beschriebenen Probleme und dem insgesamt in diesem Semester besonders knappen zeitlichen Rahmen für das Projekt, welcher eine differenziertere Herangehensweise erschwerte, wurde entschieden, zunächst einfache, gut verfügbare und aufgearbeitete Quellen zu verwenden, wie die Datenbanken von Klimatarier.com und Waterfootprint.org.
Gegebenenfalls vorhandene Lücken wurden durch weitergehende Recherche oder Nachvollziehen der Berechnungsgrundlagen oder Datengrundlagen geschlossen.
Alle Links wurden zuletzt abgerufen am 30.07.2020.
Im Bereich „Klimawandel“ sind Studienergebnisse stets mit Vorsicht zu betrachten, da die Studien und deren Auswertung gegebenenfalls nicht objektiv durchgeführt werden.
So hat ein Produzent von Fleisch- oder Milchprodukten ein natürliches Interesse, den negativen Einfluss der eigenen Produktion auf den menschengemachten Klimawandel herunterzuspielen, während Umweltschutzorganisationen (in der Regel NGOs) dazu neigen können, Studien mit einem Bias in die entgegengesetzte Richtung zu entwickeln oder prinzipiell gut designte Studien nicht „korrekt“, sondern in ihrem Sinne auszuwerten.
Auch Studien, die durch die Regierung beauftragt werden, sind nicht unbedingt unabhängig und uneingeschränkt vertrauenswürdig; speziell, wenn beispielsweise die Verflochtenheit von Landwirtschaftsministerien mit Lobbyorganisationen und Großunternehmen auf unterschiedlichen Regierungsebenen und die Entscheidungsgewalt, Studien zurückzuhalten, berücksichtigt wird.
Es ergeben sich weitere Probleme bei Studien, die den Einfluss unterschiedlicher Industriezweige auf den Klimawandel untersuchen:
die Datenlage ist häufig ausgesprochen dünn bei Produkten, die teils lange, internationale Produktionsketten mit vielen Variablen haben und im Laufe der Produktion viele Produktionsstätten und -schritte durchlaufen.
Dadurch können oft sogar an der Produktion beteiligte Betriebe keine genauen Angaben über den CO2-Fußabdruck ihrer Produkte machen, da für sie – und mehr noch für Außenstehende – kaum nachvollziehbar ist, wie exakt und ob überhaupt der Einfluss gewisser Schritte in der Produktion durch andere Beteiligte in die Berechnung miteinfließt.
Viele Grundlagen der Daten sind hochgerechnet, weil etwa Daten nur auf freiwilligen Selbstangaben oder dem Verbrauch von Gütern/Energie, wenn er in Geschäftsberichten gelistet ist, beruhen und – insbesondere im EU-Ausland – für globalen Handel staatliche/neutrale Kontrollstellen fehlen, die die Validität der angegebenen Daten bestätigen.
Beim vorliegenden Projekt besteht darüber hinaus die Schwierigkeit, dass, aufgrund der Vergleichbarkeit als zentralem Teil der Spielmechanik, ein fester Wert für ein Produkt verwendet wird (bspw. 500g Fleisch, 3 Eier, 500g Reis) und dabei – zwecks Einfachheit – nicht berücksichtigt wird, unter welchen Bedingungen dieses Produkt entstanden ist (bspw. regionales Bio-Rind vs. polnisches Mastrind vs. importiertes argentisches/japanisches Rind; Eier von eigenen Hennen, vom Wochenmarkt, vom Supermarkt aus den Niederlanden importierte, Bio- vs. Freiland- vs. Bodenhaltungseier; Reis vom Trocken- oder Nassfeld, maschineller oder manueller Anbau/Ernte, Import aus Südeuropa, Indien oder China usw.).
Es wäre denkbar, diese Unterscheidung in einer zukünftigen Iteration des Spiels aufzugreifen und einzuarbeiten, um auf einer noch feiner definierten Stufe für die Auswirkungen des Konsumverhaltens zu sensibilisieren.
Als zweiter Vergleichswert der Produkte wurde neben den CO2-Äquivalenten der Verbrauch virtuellen Wassers gewählt, da die Verfügbarkeit von Süß- und insbesondere Trinkwasser durch das Projektteam als eine der größten Herausforderungen dieses Jahrhunderts an die Menschheit betrachtet wird. Problematisch bei der Datenlage zu virtuellem Wasser ist, dass anscheinend alle Daten auf die NGO „Waterfootprint.org“ zurückzuführen sind, was darin resultiert, dass das dahinterstehende Institut (IHE Delft Institute for Water Education) alleinige Instanz und die beiden Professoren (Hoekstra (TU Delft), der den Begriff Waterfootprint geprägt hat, und Mekonnen (U Alabama)), die seit einigen Jahren die Wasserverbrauchsstudien für diese durchführen, unangefochtene Autorität auf dem Gebiet sind.
Ziel des Spiels ist es, möglichst viele Karten korrekt aufsteigend in zwei Spalten (CO2-Äquivalent und Wasserverbrauch) einzuordnen.
Die Spielenden haben jeweils reihum die Auswahl aus zwei Aktionsmöglichkeiten, bis insgesamt 12 Aktionen ausgeführt wurden: eine Karte zu ziehen und einzureihen oder alle Karten aufzudecken.
Entscheiden sie, die oberste Karte zu ziehen, platzieren sie diese nach eigener Einschätzung, ohne die Rückseite anzusehen, abwechselnd in einer der beiden Reihen.
Möchten sie stattdessen die zweite Möglichkeit wahrnehmen, wird in dieser Aktion keine Karte gezogen, aber alle bereits gelegten Karten, die die Vorderseite (Bild des Produkts) zeigen, auf die Rückseite (CO2-Äquivalent und Wasserverbrauch in Avocados) gewendet.
Dies kann den Spielenden helfen, zukünftige Karten besser einzuschätzen.
Nachdem insgesamt 12 Aktionen ausgeführt wurden, werden alle Karten aufgedeckt und von links nach rechts geprüft, wie viele Karten korrekt einsortiert wurden.
Daraufhin wird schlussendlich die Wertungstabelle konsultiert, um den Erfolg der Runde zu bewerten:
| Punkte | Ergebnis |
|---|---|
| 12 | Perfekt! Besser geht es wirklich nicht. |
| 10 bis 11 | Hervorragend, Ihr habt ein fast perfektes Ergebnis erreicht! |
7 bis 9 | Super Ergebnis! |
| 5 bis 6 | Nicht schlecht! Ihr habt es geschafft, das Quiz zu bestehen, versucht es doch direkt noch einmal, um Euren Highscore zu verbessern! |
| weniger als 5 | Aller Anfang ist hart. Noch habt Ihr es nicht geschafft, aber es ist noch kein Meister vom Himmel gefallen. Beim nächsten Versuch erreicht Ihr bestimmt schon mehr Punkte! |
Die drei wichtigsten zu erfüllenden Punkte, die im Voraus gewählt wurden:
Schließlich wurden anhand der Werte (aus den diversen oben genannten Studien) Tabellen erstellt und daran abgeschätzt, wo ein Zentrum zur Orientierung geschaffen werden kann, sodass selbst die erste gelegte Karte nicht ohne Kontext gelegt wird, sondern schon eingeordnet werden muss. Eine Möglichkeit wäre gewesen, eine zufällig gezogene von Anfang an zu platzieren und die anderen daran auszurichten, wenn diese aber eine sehr hohe oder sehr niedrige Karte gewesen wäre, wäre sie auch wieder „obsolet" bzw. die nächste Karte trivial gewesen – daraus erwuchs die Idee mit der „festen" Mittelkarte (5 Avocados).
Zu Präsentationszwecken und um ein rundes Gesamtprodukt zu erstellen, war es dem Team wichtig, eine ansprechende Illustration (im Endprodukt für die Spielschachtelvorderseite) vorweisen zu können.
Da beide keine Illustratoren sind, wurde diese Arbeit über fivrr an die Illustratorin jubayda_sayma ausgelagert und in mehreren Revisionen zur finalen Version gelangt.
Hier zwei der Vorgängerversionen und die finale Version:
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Die Kawaii-Avocados auf der Rückseite (s. rechts oben das jeweils zweite/rechte Bild der finalen Version und des dritten Prototypen) wurden auf der Stock-Image-Seite CanStockPhoto.com erworben, erstellt von der*dem Illustrator*in apoev:
But what about Avoca-tho? ist ein Verweis auf Whataboutism – hier im Speziellen, dass Avocados in der Debatte um klimatische Auswirkungen von Ernährung/Alltagsentscheidungen mit Hilfe dieser Täuschung gern verwendet werden, um auf die vermeintlich „genauso schlechte“ vegane/vegetarische Ernährung abzulenken und den Diskurs von den deutlichen negativen Folgen einer fleischlastigen Ernährung wegzuführen.
Dies soll im vorliegenden Spiel, But what about Avoca-tho?, in einen sachlicheren Kontext gesetzt und direkt verglichen werden.
Als kleinen Hinweis darauf, dass Avocados als „hippe Superfood“-Frucht im Allgemeinen stark mit urbanen Hipstern assoziiert werden, hat die auf der Cover-Illustration rechtsstehende (angeschriene) Avocado ein entsprechend angedeutetes äußeres Erscheinungsbild (Hipster-Bart, Hoodie, Chucks).
Am Ende des Projektes steht ein gut funktionierender Prototyp.
Aus gesundheitlichen Gründen konnte dieser im Anschluss an die Endpräsentation leider noch nicht fertiggestellt werden, die Fertigstellung unabhängig von diesem Projekt ist aber geplant.
Der Anteil Illustration ist vollständig abgeschlossen.
Das Erscheinungsbild der Karten an sich muss jedoch noch stark überarbeitet werden.
Einige Regeln und Spielmechanismen stehen noch zur Debatte, etwa die Limitierung auf 12 Aktionen und die „5 Avocados“-Karte in der Mitte.
alte Notizen/Seite nach Erstpräsentation: What's worse...?